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Einleitung

Mit diesem Beitrag möchte die Interessengemeinschaft Heimatgeschichte Karlshagen e.V. die Entwicklung der Fischerei in Karlshagen in einigen Schwerpunkten darstellen.

Die Fischerei in Karlshagen wird entscheidend durch die politischen und ökonomischen Verhältnisse in Deutschland geprägt.

Wesentlich für die Entwicklung sind auch die Fischbestände in der Ostsee, die sehr unterschiedlich ausfallen und stets Veränderung in der Fangtechnik und den Booten mit sich bringen. Von Anfang an war das Handeln der Fischer durch genossenschaftliches Handeln geprägt.

Die Entwicklung als Badeort hatte großen Einfluss auf die Fischer und ihr Gewerbe.


Um 1820 fasste der damalige Oberpräsident der Provinz Pommern, Johann August Sack, den Entschluss, den Wald zwischen Peenemünde und Zinnowitz besiedeln zu lassen.

Der Hintergrund für die Bildung von Kolonien war es, die Fischerei in Preußen zu entwickeln und unabhängig von Importen zu gestalten.

Die Siedlung "Pudagla II - forstfiskalischer Gutsbezirk" wird 1829 als Fischerkolonie gegründet. Der Landstrich zwischen Hammelstall, dem heutigen Trassenheide, und Peenemünde sollte besiedelt werden und durch eine Küstenfischerei entwickelt werden.

Die Kolonie zählte zu diesem Zeitpunkt 27 Einwohner. Es entstanden die ersten Häuser, die relativ weit voneinander entfernt lagen. Die Versorgung erfolgte durch individuelle Landwirtschaft und Viehhaltung.

Entlang der Ostseeküste vor der Insel Usedom gab es in diesen Jahren sehr große Heringsschwärme und die Kolonie entwickelte sich rasch.Die Heringsfischerei begann als Strandfischerei in kleinen, selbstgebauten Ruder- und Segelbooten.


Strandfischer


Fischerpackhütten

Im Jahre 1837 erscheint im Amtsblatt der “Stettiner Regierung” folgende Bekanntmachung:

 “Es ist auf Bekanntmachung mehreren veräußerten Forstgrundstücken des Königlichen Zinnowitzer Reviers, Usedom-Wolliner Kreises, entstandenen Kolonie, welche eine Meile von Peenemünde, eine halbe Meile von Hammelstall entfernt liegt, der Name “Carlshagen” beigelegt worden, was hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht wird.

                                               Stettin, den 11.11.1837

                                                           Königl. Regierung. Abt. Finanzen"

Damit hatte die Kolonie den offiziellen Ortsnahmen Carlshagen erhalten.

Mit dem Nachlassen der reichen Heringsfänge musste, um weiter erfolgreich Fische zu fangen, die Methode verändert werden. Zwischen 1870 und 1880 beginnt die Schleppnetzfischerei.
Dazu waren größere und schwerere Boote notwendig.
Sie wurden u.a. in der Bootswerft „Mollendorf“ in Peenemünde gebaut.
In dieser Zeit wurde bereits der Naturhafen an der Peene, der sogenannte „Buttermilchgraben“ genutzt. Die Boote hatten dort einen sicheren Liegeplatz und mussten nicht bei schlechtem Wetter mühsam an Land gezogen werden.

Ein weiterer Grund war auch dem Umstand geschuldet, das im Jahre 1885 der Badebetrieb in Karlshagen begann. Der Berliner Architekt Hugo Elsner lässt das „Strandhotel“ mit Logierhaus errichten.
Da störten nicht nur die Boote, sondern vor allem die zum Trocknen aufgehängten Netze.


Trockenplatz Netze am Strand

Die Fischer erkannten aber sehr schnell, das mit dem Beginn des Badebetriebes eine zusätzlich Geldeinnahme möglich wurde. Neben dem Vermieten von Quartieren in ihren Häusern, boten sie Bootspatien an.  


Bootspartie 

Mit der Entwicklung Carlshagens als Badeort, 1904 immerhin 1.052 Badegäste, nahm auch die Einwohnerzahl  stetig zu. Mit dieser Entwicklung ging die Ansiedlung weiterer Handwerker, Handelseinrichtungen und Versorgungseinrichtungen einher.

Um die Arbeit effektiver und wirtschaftlicher zu gestalten, gründete sich im Jahre 1908 ein Fischereiverein. Ihr erster Vorsitzender  war der Fischer Hermann Lüder.   


Fischergruppe

Ein Großbrand im Jahre 1920 zerstört viele Fischerhütten und Netzschuppen im Strandbereich. Da eine Feuerwehr nicht existierte, ging auch sehr viel verloren.

Aus  diesem Ereignis heraus wurde die Freiwillige Feuerwehr in Karlshagen gegründet.

 1921 wurde die „Fischverwertungs-Genossenschaft Carlshagen“ gegründet. Ihr Vorsitzender war Franz Mähl aus Carlshagen. Die Arbeit der Fischer sollte dadurch verbesssert und gewinnträchtiger werden.

An der Hauptstraße entstehen ein Wohn- und Geschäftshaus sowie eine  Räucherei, der sogenannte „Sonnenhof“.

Aus sehr unterschiedlichen Gründen ging die Genossenschaft bereits 1927 in Liquidation.

Im Jahre 1929 fasste man den Entschluss, den Naturhafen an der Peene zu einem Fischereihafen auszubauen. Der Bereich wird zu einem Hafen ausgebaggert .

1930 fand die offizielle Einweihung als Fischereihafen an der Peene statt.


Hafeneinweihung


Fischerboot im Hafen

Der "Hochsee-Fischerei-Verein" lässt eine Vereinsfahne herstellen, die 1935 feierlich geweiht wird. Diese Fahne verbrannte beim Bombenangriff am 17./18. August 1943 auf Peenemünde / Karlshagen.            

 Das Jahr 1936 war für den Ort Karlshagen eine Zäsur.

Es beginnt in Peenemünde der Aufbau der Heeresversuchsanstalt  mit dem Werk Ost - und der Erprobungsstelle der Luftwaffe - Werk West - .

Nördlich der  Strandstraße wird die Wohnsiedlung für Arbeiter, Techniker und Wissenschaftler gebaut.

Der Ausbau des Hafens erfolgte in den Jahren 1938/39 zum Umschlagplatz für Baumaterialien der             Heeresversuchsanstalt in Peenemünde.

In diesen Jahren bis zum Ende des 2. Weltkrieges gehen nur  wenige Fischer ihrem Gewerbe nach.

Viele finden eine Tätigkeit in der Versuchsanstalt Peenemünde.

 
Nach dem Ende des 2. Weltkrieges ging es u.a. darum, den Menschen Nahrungsmittel zur Verfügung zu stellen. So war es auch in Karlshagen. Die Fischer wollten und mussten wieder auf See, um dem Fisch nachzustellen. Es war natürlich schwierig die Boote wieder seetüchtig zu machen und auch gefährlich. Auf der Ostsee gab es genügend Seeminen, und keiner wusste wo sie lagen.

Die sowjetische Besatzungsmacht, SMAD, erlies im Jahr 1946 den Befehl-Nr. 11und 206. Mit diesen Befehlen wurde die Fischerei in der sowjetischen Besatzungszone geregelt. Schwerpunkt war die Versorgung der Bevölkerung mit Fisch.

 In dieser schweren und komplizierten Zeit schlossen sich 1946 15 Fischer zu einer  „Raiffeisen-Fischverwertungs-Genossenschaft“ eGmbH zusammen. Im Jahre 1947 wird daraus die  „Fischwirtschafts-Genossenschaft“.

 Mit der Gründung der DDR am 07.10.1949 wurde ein breites Programm zur Entwicklung des Fischfanges in den Binnengewässer, auf der Ostsee und der Hochseefischerei aufgestellt. Es galt die Bevölkerung ausreichend mit frischem Fisch und Fischverarbeitungsprodukten zu versorgen.

 Im Laufe der Jahre gestaltete sich die genossenschaftliche Arbeit aus ökonomischen Gründen, aber auch politisch gewollt, beständig weiter. Anliegen war stets die Fangergebnisse zu erhöhen und mehr Fischprodukte zu produzieren.

 So gestaltete sich die Fischerei in Karlshagen außerordentlich erfolgreich.       

Auf Beschluss des Ministerrates der DDR wird am 01.05.1955 die „Fischerei-Geräte-Station“ (FGS) gebildet. Erster Standort war Wolgast, 1958 dann in Karlshagen, angesiedelt.   Sie existierte bis 1969, daraus wurde dann durch Zusammenschluss der VEB „Fischwirtschaft Wolgast“.

 1956 gründete sich die Fischerei-Produktions-Genossenschaft (FPG) „Freiheit und Freundschaft“ mit 2 Kuttern und 4 Fischern. Erster Vorsitzender wurde Max Bartels. Die „Fischwirtschaftsgenossenschaft“ mit 40 Fischern sowie mit einer Verarbeitung existiert weiter.


Hafen etwa 1954/55

Im Jahre 1960 wird aus der „Fischwirtschaftsgenossenschaft“ die FPG „Inselfisch“ mit 28 Kuttern, Hauptsächlich 17-m-Kutter. Dazu gehören ca. 32 private Fischer und 20 Produktionsarbeiter.

 Das nicht immer alles planmäßig verlief, belegt die Aussage aus dem Jahre 1964.
Die FPG „Freiheit und Freundschaft“ hat Probleme mit der Erfüllung der staatlichen Fangquote. So erreichte die FPG zum 30.09. nicht das geforderte Ergebnis von 1.856 t Fisch, es fehlten 638 t.

 1967 erfolgte der Zusammenschluss mehrerer Genossenschaften:

            „Freiheit und Freundschaft“ Karlshagen

            „Heimatland“ Freest

            „Peenestrom“ Wolgast     zur Fischereiproduktionsgenossenschaft „VII. Parteitag“.
Diese Genossenschaft hatte 16 Kutter. Der erste Vorsitzende war Werner Büge.

1969 wird die Reparaturwerft in Wolgast, die "Horn-Werft", Mitglied der FPG „VII. Parteitag“.

Der Zusammenschluss der FPG „VII. Parteitag“ und FPG „Inselfisch“ erfolgte 1972 zur FPG „Inselfisch“.

Damit war der Fischfang und die Fischverarbeitung in einer Hand. Die Leistungsfähigkeit der Fischereiproduktionsgenossenschaft konnte weiter gesteigert werden.
Erster Vorsitzender wurde Werner Büge.


Im Hafen von Karlshagen - 1968


Heinz Lehmann 1969


Ab dem Jahre 1972  entwickelte sich eine intensive partnerschaftliche Bezeigungen und Zusammenarbeit mit Fischern der VR Polen.

Die FPG „Inselfisch“ ist im Jahr 1975 die größte FPG im Bezirk Rostock. Ihr gehörten 440 Mitglieder an. Der Bestand an Kutter ist beträchtlich:
                                    ein  21-m-Kutter KAR 46 "Sachsen-Anhalt",                              
                                    zwei 18-m-Kutter, u.a. KAR 41 "Einheit"
                                    achtzehn 17-m-Kutter.
Es gehören eine Räucherei, ein Verarbeitungsbetrieb, eine Eisfabrik und die „Hornwerft“ als Reparaturwerft in Wolgast, dazu. 
Es werden 6.000 t Fisch gelandet.

Die Entwicklung der FPG "Inselfisch" wird stetig vorangebracht. Im Jahr 1978 wird der Kutter Typ B-403 KAR 11 "Insel Usedom" angeschafft.
 


KAR 11

Auch weitere Fischereiproduktionsgenossenschaften schließen sich an:
       1980   FPG „Boleslaw Beirut“ Ueckermünde 
       1981   FPG „Vorwärts am kleinen Haff“ Kamminke.

 Die gesellschaftlichen Veränderungen ab dem Jahre 1989 in der DDR haben entscheidende Auswirkungen auf den Fischereistandort Karlshagen, in der die größte FPG  in der DDR zu Hause  und damit ein sehr großer Arbeitgeber war.

 Mit dem Beitritt der DDR zur BRD am 03.10.1990 wurden grundsätzliche Eigentumsverhältnisse verändert.
1990 wurde aus der FPG "Inselfisch" eine GmbH.
Im Jahre 1991gründet sich die Erzeugerorganisation „Usedom-Fisch e.G.“ Freest.
Die GmbH „Inselfisch“ Karlshagen wird Mitglied dieser Organisation.

 Aus sehr unterschiedlichen Gründen ging 1993 die GmbH „Inselfisch“ in Liquidation. Der genossenschaftliche Anteil wird ausgezahlt. Damit hört die Gesellschaft, vormals FPG "Inselfisch" auf zu existieren.
Nach 47 Jahren gemeinschaftlichen Fischens gibt es das in Karlshagen nicht mehr.

 Stillstand gab es deswegen nicht. Der Hafen wird in den folgenden Jahren um- und ausgebaut zu einer Marina. Das Verwaltungsgebäude wird zu Ferienunterkünften und zu einer Gaststätte "Veermaster" umgebaut.
Alte Produktionsstätten werden abgerissen und auf dem Gelände entstehen Ferienwohnungen. Die "Marina" wird angenommen und im Sommer pulsiert das Leben in diesem Hafen.
An den modernen Steganlagen und Pierliegeplätzen des größten Hafens im deutschen Teil der Insel Usedom finden 112 Schiffe ihren Platz. Qualität und Service erwarten den Hobbymatrosen in dem mit 3 Sternen ausgezeichneten Hafen.


Marina Karlshagen


Ferienwohnungen und Gaststätte "Veermaster"

Der Hafen ist Ausgangspunkt für Segel und Schiffstouren,  zur Insel Ruden und zur Oie, auf die Peene und in den Greifswalder Bodden.

 Auf Fischfang gehen im Jahr 2014 nur noch 2 Fischer; ihre Boote liegen im Hafen Karlshagen.
Die Firma Ehmke handelt mit Fisch und Fischprodukten erfolgreich in der Region.    
Der Fischkutter KAR-36 diente dem Fischer Ehmke lange Jahre zum Fang von Frischfisch.


KAR - 1 Inhaber Tommy Fisch


KAR - 41 Inhaber Karl-Heinz Neumann


KAR - 36


Fischgeschäft Fa. Ehmke

So ist die Fischerei ein wichtiges Gewerbe für den Ort Karlshagen gewesen. Sie musste sich stets den konkreten Bedingungen anpassen. Mehrere Generationen von Fischern prägten den Ort.


Diese Geschichte  soll in der aktuellen Zeit, in der Karlshagen ein schönes Ostseebad geworden ist, nicht vergessen werden.

 

Horst Lewerenz,   Interessengemeinschaft „Heimatgeschichte Karlshagen“ e.V.